Letze Änderung:  10.Mär.2010

Das Wirken der Arenberger Dominikanerinnen und die Entstehung des Dominikuskrankenhauses in Heerdt

 

1. Die Anfänge

1868 übernahm Pfarrer Anton Gottfried Savels die Gemeinde St. Benediktus in Heerdt, dem geistigen Mittelpunkt der vier linksrheinisch gelegenen Dorfgemeinden Heerdt, Lörick, Nieder- u. Oberkassel, die seit 1815 zu einer preußischen Bürgermeisterei mit Sitz des Bürgermeisters in Heerdt zusammengefasst waren. Sein Bruder Pfarrer, August Savels, war zu diesem Zeitpunkt in Oberhausen-Styrum tätig, und wurde 1888 nach Köln zur St. Apostel Gemeinde versetzt, wo er sich um eine Kölner Niederlassung der Arenberger Dominikanerinnen, die bei Koblenz ihr Mutterhaus hatten, bemühte. Pfarrer Anton Savels bemühte sich ebenfalls um eine Niederlassung der Arenberger Dominikanerinnen in Heerdt, um mit deren Hilfe, ein Kranken- u. Invalidenhaus zu errichten. So ließ er u.a. am 15.07.1889 einen Aufruf veröffentlichen, in dem er um Mitglieder für einen Wohltätigkeitsverein warb, dessen vordringliche Aufgabe darin bestehen sollte, Spenden für den geplanten Hausbau zu sammeln.

Im Juli 1891 legten die damalige Priorin und nachmalige Generalpriorin der Arenberger Dominikanerinnen, Mutter Cherubine Willimann und Pfarrer Anton Gottfried Savels vertraglich fest, dass das zu erbauende St. Josephs-Haus in Heerdt Eigentum der St. Benediktus Gemeinde bleibt.

Im Dez. 1891 lag die Genehmigung der preußischen Behörden und des Generalvikariates/Köln für das Projekt "St. Josephs-Haus" vor sowie die Genehmigung des Regierungspräsidiums für die Arenberger Dominikanerinnen eine Niederlassung in Heerdt zwecks Ausübung der Krankenpflege zu errichten und die Leitungen der bereits bestehenden Kleinkinder-Bewahranstalt (Kindergarten) sowie eine Handarbeits- u. Haushaltungsschule für kath. Mädchen, zu übernehmen.

 

 

Im März 1892 trafen vier Arenberger Dominikanerinnen in Heerdt ein, um bei der Einrichtung des St. Joseph-Hauses mitzuwirken. Im September 1892 beschloss der Kirchenvorstand der St. Benediktus Pfarrei, dass das St. Joseph-Haus für 10 Jahre zur Nutzung karitativer Zwecke übergeben wird, die Kirchenkasse jedoch nicht durch damit verbundene Kosten belastet werden darf.

Am 20.11.1892 fand die Einweihung und Eröffnung des St. Joseph-Kranken- u. Invaliden-hauses statt. Im Erdgeschoss hatten Kindergarten, Verwaltungsraum und Vereinszimmer Platz gefunden. Im ersten Stock war die Krankenabteilung mit 7 Krankenzimmern, einem Operations- u. Behandlungsraum untergebracht. Im zweiten Stock und dem ausgebauten Dachgeschoss befanden sich die Invalidenstuben. Zwei Ärzte, die bereits in Heerdt prakti-zierten, übernahmen die ärztliche Betreuung des St. Joseph-Hauses, die Pflege die vier Arenberger Schwestern. So entstand die Keimzelle des nach-maligen Dominikuskrankenhauses Heerdt.

Am 12.11.1898 wurde die neue Rheinbrücke (Oberkasselerbrücke) eingeweiht und zugleich eine Schnellbahn zwischen Düsseldorf und Krefeld errichtet. Die Straßenbahn-Verbindung zwischen Düsseldorf und Neuss wurde am 21.12.1901 in Betrieb genommen. So folgte eine neue Industrialisierungswelle und mit ihr eine anwachsende Bevölkerung des linksrheinischen Raumes. Das 1892 errichtete St. Josephs-Kranken- u. Invalidenhaus hielt dieser Entwicklung nicht stand. Die damalige Oberin der Heerdter Niederlassung erwarb auf Anraten des damaligen Heerdter Bürgermeisters Nikolaus Knopp daher ein direkt am Rhein gelegenes vier Morgen großes Grundstück zwecks Schaffung eines neuen Hauses.

 

 

 

Am 01.10.1902 wurde das neue dreistöckige, mit 30 Betten versehene Krankenhaus von 6 Arenberger Schwestern in Betrieb genommen. Dieser gestaltete sich anfangs reichlich schwierig, da vieles an notwendigen Einrichtungen und Gerätschaften erst nach und nach angeschafft werden konnte, um einen reibungslosen Tagesablauf zu gewährleisten. 1905 war die Zahl der im Krankenhaus tätigen Schwestern auf 15 angestiegen, das Krankenhaus jedoch wieder zu klein geworden. Ein weiteres angrenzendes käuflich zu erwerbendes Grundstück brachte hier Abhilfe Das Haus konnte erweitert und nunmehr insgesamt 120 Betten für die Patienten zur Verfügung gestellt werden. Bald darauf stellte sich jedoch heraus, daß eine neue Erweiterung notwendig wurde, um über noch mehr Betten verfügen zu können, zumal sich das St. Joseph-Krankenhaus eines ausgezeichneten Rufes und einer großen Beliebtheit nicht nur bei den linksrheinischen Gemeinden erfreute. Am 09.12.1910 wurde der dritte Bauabschnitt beendet und die Bettenzahl auf 250 erhöht. Am 10.05.1906 wurde dem Krankenhaus eine Krankenpflegeschule angegliedert, die 1908 auch ihre staatliche Anerkennung erhielt.

1908 errichtete die Gemeinde in Heerdt an der Pariser Straße in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus ein Waisen- und Fürsorge- Zöglingshaus, das die Arenberger Schwestern lt. Vertrag am 31.03.1909 käuflich erwarben. Die Anzahl der dort betreuten Kinder und Jugendlichen betrug anfangs 70 und stieg bald auf 300 an. Am 25.11.1911 wurde die dem Krankenhaus angebaute Kapelle mit 240 Plätzen eingeweiht, die von den Dominikanern des Klosters an der Herzogstr. in Düsseldorf / Friedrichstadt betreut wurde. Sie waren es auch, die seit Tätigkeitsbeginn der Arenberger Schwestern die seelische Betreuung der Schwestern, der Kranken und der Invaliden übernahmen. In der Niederlassung Heerdt waren jetzt in allen drei Häusern 60 Schwestern tätig. 25 Morgen Land konnten sie ihr Eigen nennen, das sie auch gärtnerisch nutzten sowie eine eigene Bäckerei, Schlosserei, Schreinerei und ein Schwesternhaus schufen. Das alte St. Josephs-Haus erhielt eine selbständige Verwaltung mit Oberin. Dieses Haus wurde weiterhin als Invalidenhaus genutzt. Auch der Kindergarten bestand noch dort und so wurden vom alten Haus aus täglich auch die Kindergärten in Nieder- u. Oberkassel betreut und mit Tagesproviant versehen, bis 1914 in Oberkassel eine eigene Niederlassung der Arenberger Dominikanerinnen entstand und das Antonius-Kloster errichtet wurde, das allerdings 1936 in die Hände der Franziskanerinnen überging.

 

 

 

2. Die Entwicklung nach dem ersten Weltkrieg bis heute

1914 brach der l. Weltkrieg aus. Das St. Joseph-Krankenhaus wurde zu großen Teilen in ein Lazarett umgewandelt. Auch nach Kriegsende dienten Teile des Hauses belgischen und französischen Besatzungsangehörigen als Lazarett. Aus alten Akten ist ersichtlich, daß bereits zu diesem Zeitpunkt das St. Joseph-Krankenhaus als Dominikuskrankenhaus bezeichnet wurde.
Die Folgen des l. Weltkrieges, der Inflation sowie der Weltwirtschaftskrise machten auch den Arenberger Schwestern viel zu schaffen. So konnten längst fällige Modernisierungsmaßnahmen teilweise erst 1930/31 und teilweise 1937/38 durchgeführt werden.

Im September 1939 begann der 2. Weltkrieg. Die ersten Fliegeralarme zwangen zu Schutzmaßnahmen. So wurden Keller in Luftschutzräume umgewandelt und Vorsorge für einen Notbetrieb während der Angriffe getroffen. Am 31.07.1942 erlebte das Dominikuskrankenhaus den ersten großen Angriff. Während des 2. Angriffes in der Nacht vom 22./23. August 1943 wurden die Gebäude des Kranken-sowie des Waisenhauses schwer getroffen. 75 Räume beider Häuser wurden ganz oder teilweise zerstört. Trotz der dadurch entstandenen unsäglich schweren Bedingungen gelang es den Arenberger Schwestern den Krankenhausbetrieb aufrecht zu erhalten. Die Schützlinge des Waisenhauses wurden teilweise in Begleitung ihrer Betreuerinnen an die Mosel evakuiert und teilweise weiterhin in Heerdt versorgt. Ab März 1945 lag das Krankenhausgebäude mitten im Frontverlauf und war dem Artilleriebeschuss der Deutschen Batterien am rechten Rheinufer ausgesetzt. Am 23.03.1945 traf eine Granate den zweiten Stock des Krankenhauses, die eine ihren Dienst versehenden Arenberger Schwester, tödlich traf.

Nach der Einnahme Düsseldorfs am 18.04.1945 war der Krieg für die dortigen Bewohner zu Ende. Jetzt galt es, die hinterlassenen Gebäudeschäden soweit es irgend ging Schritt für Schritt zu beseitigen. Da etliche Krankenhäuser der Innenstadt völlig zerstört waren, stieg die Zahl der eingewiesenen Kranken ins Dominikuskrankenhaus rapide. Die Schwestern arbeiteten rund um die Uhr und richteten zusätzlich die Küche des zerstörten Waisenhauses her, um täglich 200 Essensportionen an Flüchtlinge, Heimkehrer und Obdachlose ausgeben zu können. Am 20.06.1948 stellte die Währungsreform die Arenberger Schwestern vor neue Pro-bleme, zumal ihnen lediglich 3.320,00 DM zur Verfügung standen. Hilfe wurde ihnen nach etlichen Verhandlungen durch die Krankenkassen zuteil, die einer Verkürzung der Fristen von Abschlagszahlungen zustimmten.

Am 08.10.1952 wurde der Tag des 50.-jährigen Bestehens des Dominikuskrankenhauses begangen. Die Stadtverwaltung Düsseldorf riet anstatt weitere Anbauten vorzunehmen, einen Neubau des Dominikuskrankenhauses durchzuführen, zumal eine erneute Erhöhung der Bettenzahl ins Haus stand. Finanzielle Mittel für ein Personalwohnheim wurden mit der Auflage verbunden ein neues Krankenhaus zu bauen. Die Arenberger Schwestern entschlossen sich zu diesem Schritt, als ihnen von Seiten der Stadtverwaltung sowie der Landesregierung die Zusage finanzieller Unterstützung für den Krankenhausneubau vorlag.

 

 

 

Zwischen 1967 bis 1971 entstand der imposante 9-stöckige Bau mit 436 Betten, zwei Schwestemheimen und einer Kapelle, in der sich die so schön entworfenen Glasfenster mit den Rosenkranzgeheimnissen aus der alten Kapelle wiederfinden. Am Tag der offenen Tür, am 13.11.1971, hatten 4000 Besucherinnen und Besucher die Ge-legenheit das neue Dominikuskrankenhaus kennenzulernen.

Am 15.11.1971 fand der Umzug mit Hilfe der Feuerwehr vom alten - ins neue Gebäude statt. Kostenpunkt: ca. 45 Mio. DM.

Im Februar 1996 wurde Einzug in das neue Ambulanzgebäude gehalten, einem Flachbau, in dem derzeit die Innere Medizin sowie die Chirurgie ambulante Fälle behandelt.

Über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter inkl. der Ärztinnen und Ärzte sind derzeit im Dominikuskrankenhaus tätig, wobei etliche Nationalitäten vertreten sind, die sich gegenseitig tolerieren und achten. Von den vielen derzeitigen medizinischen Fachrichtungen sind jetzt in diesem Haus:

 

 

 

Innere Medizin und Kardiologie, Chirurgie, Gefäßchirurgie und Angiologie, Anästhesie und Intensivtherapie, Radiologie und eine HNO-Fachabteilung.

In einer gemeinsamen Ausbildungsstätte bilden wir mit allen katholischen Trägern aus Düsseldorf und Neuss seit dem 01.06.2005 zur Gesundheits- und Krankenpfleger/in aus.

Die Dominikanerinnen sind nach wie vor bemüht, alle Patienten, unabhängig ihrer Konfession, Nationalität oder sozialer Stellung, aufzunehmen, zu pflegen, zu betreuen und jeden einzelnen in seiner Würde zu schützen. Seelsorgegespräche und der Empfang des Sakramentes bzw. des Abendmahls sind gewährleistet. Dem Heerdter Konvent der Arenberger Schwestern gehören derzeit 44 Dominikanerinnen an. Selbstlosigkeit zeichnet nach wie vor ihre grundsätzliche Lebenseinstellung aus. Der Ausspruch ihrer Ordensgründerin, der Arenberger Generalpriorin, Cherubine Willimann: "Gott dienen und den Menschen dienen", ist ihnen Vermächtnis. Im Vertrauen darauf, dass Gott sie die Zeichen der Zeit erkennen lässt, gehen sie voller Zuversicht in die Zukunft.

Literaturnachweis:

caritas & scientia Dominikanerinnen und Dominikaner in Düsseldorf Herausgegeben vom Dominikaner-Kloster Düsseldorf 1996

 

 

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